Die Wahrheit über meinen Exit

Interview mit meinem Ich - Die Fragen Teil I

Soundtrack zum Finale Track5



Wie gehts dir?


Offizielle Antwort: Danke gut.


Ehrliche Antwort: Bin traurig und verzweifelt. Ich fühle mich so als sei als ein Mensch gestorben den ich liebe. Komme gedanklich nicht mehr aus der Sackgasse. Ich funktioniere nur noch, der Kopf schaltet auf standby wenn ich Ruhe habe und meine Gedanken und Gefühle ordne.


Wieso willst du sterben?


Ich will garnicht sterben. Ich will LEBEN.

Leben muss für mich selbstbestimmt sein. Und nicht von einer Krankheit bestimmt, deren physische und psychische Auswirkungen zu einem Dasein ohne persönliche Freude, ohne Sinn und ohne Ziele geführt haben. Ich werde nicht weiter masochistisch mit Ansehen, wie diese Krankheit alles verschlimmert und das zerstört was ich geliebt habe. Der Mensch, so schlecht es ihm geht, so schlimm die Umstände auch sind, braucht eine Perspektive, ein Fünkchen Hoffnung, ein Ziel. Dann kann er unglaubliche Kräfte entwickeln, egal was in der Vergangeneit war und egal was ihm im Moment beeinträchtigt.

Die Perspektive heißt bei mir: Irreversible Verschlechterung aller Symptome, bis hin zum Pflegefall und langsamer elender Tod. - Dem komme ich zuvor. Ich will nicht sterben sondern ich stehe vor der alternativlosen Entscheidung: Weiterquälen oder Tod.


Lohnt es sich nicht zu leben?


Vorweg: Es hat sich immer gelohnt. Aber nun wo feststeht, das diese Erkrankung unheilbar ist und ungebremst weiter fortschreitet, hisse ich die weiße Flagge. Die letzten 15 Monate waren eine seelische Qual, ich hab das alles nur ertragen, weil jede ich Chance nutzen wollte die die Medizin bietet. Nichts unversucht lassen um das zu stoppen. Ich habe Verantwortung gegenüber meinem Leben und gegenüber meiner Familie übernommen und gekämpft.

Für mich lohnt es sich nicht mehr so zu leben. Sowohl emotional betrachtet als auch rational betrachtet.


Du hast eine kleine Tochter und eine Frau, ist das nicht egoistisch?


Ich liebe meine Tochter unendlich. Diese Liebe kann keine Krankheit und kein Tod brechen.


Sie ist ein wunderbarer Mensch. Ich will nichts lieber als ihr ein guter Vater sein, sie vorbehaltlos lieben, sie unterstützen, für sie da sein, sie durch ihre Kindheit, Jugend und so lang wie womöglich durch das Leben begleiten.


Sie ist der Grund und meine Motivation bis heute durchgehalten zu haben. Ich fühle mich verantwortlich für sie.


Meine Partnerin und ich haben uns unglaublich darauf gefreut Eltern zu werden. Und dieser kleine Mensch, unsere kleine Tochter, ist der kostbarste Schatz der aus unserer Liebe gewachsen ist. Mit meiner Partnerin mit der ich über 10 Jahre so unglaublich viele großartige und wunderschöne Erlebnisse geteilt habe und die auch in schweren Situationen zu mir stand, verbindet mich Liebe, Vertrauen und Dankbarkeit.


Sie können mir nicht helfen, ich habe keine Chance. Sie selbst haben aber Chancen auf ein schönes Leben, auch ohne leiblichen Vater/Mann.

Es gibt doch auch schwer kranke Menschen, die trotzdem glücklich sind. Wieso kannst du das nicht?


Weil ich es Leid bin, meiner eigenen Degeneration hilflos zu zu sehen.


Weil es keine Therapie für diese Erkrankung gibt. Auch keine die minimale symptomatische Verbesserung schafft.


Weil ich ein unabhängiger Mensch und Geist bin, und nicht von Ärzten bzw. vom Gesundheitssystem abhängig sein will. Die meisten Klinikaufenthalte und ambulanten Arztbesuche, etc. empfand ich bereits 2015 als Demütigung.


Die Gewissheit, dass alles noch weiter bergab geht, nimmt mir jede Motivation, ein Schicksal anzunehmen und mich als Kranker/Behinderter neu zu erfinden.


Weil ich weis wer ich war, wer ich bin und wer ich noch sein kann. Ich könnte jeden belügen aber nicht mich selbst.

Warum jetzt solche Gedanken, man sieht dir doch fast nichts an?


Dritte sehen optisch nur das ich dünner geworden bin, wenn ich angekleidet bin. Wer genau hinsieht, und es erkennen will, sieht auch Asymetrien im Gesicht.


Zu den körperlichen Symptomen, zum Krankheitsverlauf und Ursache schreibe ich einen detaillierten extra Eintrag.

Hast du keine Angst vorm Tod?


Doch. Aber eher vorm Sterben selbst.


Noch mehr Angst macht mir aber eine Existenz ohne innerliche Befriedigung, immer mit wehmütigen Blick auf Gestern, weiter fortzuführen, wo ich dem Untergang von all dem was ich bis heute erreicht und geschaffen habe, zusehen zu muss.
Ein Leben in Bitterkeit, Enttäuschung, Frust und ohne innerliche Perspektive ist jämmerlich. Ersatzbefriedigung und Ablenkung macht nichts besser. Selbsttäuschung funktioniert nicht.



Warum Suizid?


Gegenfrage: Wie kann ich anders geplant sterben?


Sterbehilfe im Ausland undenkbar, dafür gehts mir objektiv viel zu "gut". Dazu müsste ich meinen Verfall noch solang zuschauen und miterleben wie ich ein Pflegefall werde.


Gott erwartet mich zu einem ganz bestimmten Datum.

Wie kommst du darauf, das Gott dich zu sich ruft?


Wir standen immer in Kontakt.

Ich muss länger ausholen:
Bin nicht religiös erzogen aber evangelisch getauft und konfirmiert. Hatte während meiner Jugend keine selbstmotivierte Berührung mit Religion und Gott. Kannte die Kirche und fand den Verein uncool.
Bin auch mit Mitte 20 aus der Kirche ausgetreten, weil ich die diesen ganzen Apparat später mal nicht mitfinanzieren wollte. Sondern habe mit meinem Geld Gottes Gebot der Nächstenliebe direkt gelebt und immer von meinem Geld Bedürftigen geholfen und für gute Zwecken gespendet.
Hab später häufig Gebetet. Meistens für andere, auch hin und wieder mal für mich und habe mich bei Gott bedankt, was für ein großartiges Leben ich führen darf.
Gott hatte seinen Gefallen an mir. Er hat mir Zeichen gegeben, er hat sich in Situationen offenbart, in Personen denen ich begegnet bin oder in den Handlungen von Personen, im Ablauf von Dingen und in der Natur.


Ich war nie sein frommstes Lamm und darum geht es auch garnicht. Wer die Bibel gelesen hat, ich kenne nur das Alte Testament vom selbst lesen, der weis, dass da mehr Pornographie und Gewalt drin steckt als heute in einem Hollywood-Film erlaubt wäre.


Aber Gott bestraft nicht. Er stellt Prüfungen und gibt auch schmerzhafte Denkanstöße.


Jedenfalls habe ich mich bei Erkrankung und bei der bitteren Feststellung, dass mein Körper keine Selbstheilungskräfte mehr besitzt und die Symptomatik ungebremst fortschreitet, nach Gott umgesehen: Ich habe ihn nirgends gefunden.
Meine Gebete blieben unbeantwortet.


Wieso hat er den Kontakt abgebrochen? Was hat das zu bedeuten?


Mein Unterbewusstsein hat zu dieser Zeit schon registriert, dass ich eine seltene, unheilbare und unaufhaltsame Krankheit habe.


Irgendwann kamen aber die Zeichen und ich wollte sie nicht sehen, ich hatte Angst: TOD

Als Zahlencode, jeden Tag, mehrfach. Ich wollte es ignorieren, dachte meine Psyche/Wahrnehmung spielt mir einen Streich. Alles Zufall.
Nein, über Wochen, tagtäglich bis heute, wird mir signalisiert das der Tod mich erwartet. Und auch das exakte Datum.
Wo: Uhren,Displays,Computer,Smartphone,Fernseher,Texte,Autokennzeichen
Ständig blicke ich gerade dann bewusst eines der Dinge an wenn die Zahlenfolge erscheint. Täglich. Unabsichtlich. Unbewusst.


Das könnte ja auch der Teufel ein?


Nein. Denn Gott hat mir über eine besondere Freundin ein Hörbuch geschickt: Ein Hörbuch über Engel.
Das habe ich gehört und tatsächlich, die Engel haben mir gesagt, ich soll keine Angst haben, Gott liebt mich, Gott vergisst mich nicht, er quält mich nicht, sondern er hat mir dieses wunderbare Leben geschenkt.
Er hatte einen Weg für mich vorgesehen und es ist keine Strafe, dass mein Weg mich nicht mehr auf der Erde weiter führt. Seine Engel sind immer bei mir.


Seit dem weis ich, dass es seine Zeichen sind.

Wie willst du dich umbringen?


Eine sanfte, würdevolle Methode, die meinen Körper weder entstellt, noch Schmerzen verursacht oder dritte Personen in Gefahr bringt.
Ich werde mich einschläfern. Mit Stickstoff. Werde wie in eine Narkose sinken und mein Hirn merkt nicht, das ich kein Sauerstoff bekomme und nach mehreren Minuten seinen Dienst einstellen und die Körperfunktionen abstellen.

10.3.16 23:39

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