Die Wahrheit über meinen Exit

Das einsamste Finale

In 4 Stunden ist es vorbei. Ich wollte vorher noch schlafen aber mein Körper schüttet Stresshormone aus, bin hellwach. Hab heute Vormittag ein Auto geliehen, packe jetzt das Zubehör ein.

Hatte heute einen wunderbaren Tag mit meiner Tochter und mit meiner Partnerin. Ich bin hin und her gerissen. Die Liebe zu euch ist unerschütterlich. Wenn ich es nicht durchziehe, quäle ich ich weiter und ich sag mir: Hätte ich doch.

Ein paar letzte Worte:

Gebt den Ärzten, über die ich mich oft geärgert habe, keine Schuld. Sie können auch nichts dafür.

Gebt euch keine Schuld, keiner von euch hätte mich wieder gesund machen können. Aber jeder von euch hätte es gewollt. Das weis ich und eure Liebe hat ihren Weg zu mir gefunden. Da braucht ihr nie zweifeln.

Vergebt mir, dass ich euch diese Schmerzen zufüge.

Day after tomorrow

Es ist soweit. Nicht mal mehr 27 Stunden.

Ich habe viel organisiert in den letzten Tagen aber nicht alles geschafft was ich für meine Nachwelt vorbereiten und hinterlassen wollte.

Mein Körper ist seit fast 2 Tagen im Angst Modus. Die größte Angst ist, das etwas schief geht. Außerdem habe ich Schuldgefühle, meiner Familie und anderen Mitmenschen gegenüber, deren Leben ich durcheinander bringe.Ich fühle mich wie ein schlimmer Verbrecher, wie ein"Mörder".

Mir hilft jetzt nur Gottvertrauen.

Interview mit meinem Ich - Die Fragen Teil II

Soundtrack zum Finale Track8


Was hast du eigentlich?

Einen DNA-Defekt, der sich erst mit Mitte 30 bemerkbar gemacht hat, diesen Krankheitsbild ist sehr selten und geht mit dem Untergang/Fehlfunktionen von Körperzellen einher. Eine Folge ist der irreversible Abbau von Muskelfasern im gesamten Körper. Dystrophie.

Neben der Skelettmuskulatur ist auch die auch Atemmuskulatur betroffen.

Meine Muskulatur ermüdet immer schneller bei den kleinsten Alltagstätigkeiten. Meine Kraft schwindet.

Viele Gelenke schmerzen und Bandscheiben leiden, weil der Abbau asymetrisch erfolgt. Die gesamte rechte Körperhälfte baut schneller ab als die linke Körperhälfte. Die Muskulatur brennt und krampft nach geringster Beanspruchung, sie verkleinert sich, ich werde dünner und schmächtiger. Was Anfangs "nur" zu Leistungsminderungen führte, wird im Verlauf zur Behinderung.


Was kann man da machen?


Nichts.
Der Abbau ist irreversibel und nicht durch gezieltes Training bzw. funktionale oder medikamentöse Therapie zu bremsen oder zu stoppen. Im Gegenteil: Körperliche Beanspruchung beschleunigt den Abbau und führt zu Muskelzucken und Krämpfen. Bestimmte Stoffwechselprozesse funktionieren nicht mehr. Zu dem habe ich Schübe bei denen ich ganz viel pinkeln muss, es gab Tage mit bis zu 6 Litern Urinausscheidung innerhalb von 24 Stunden. Ich vertrage diverse harmlose Substanzen nicht mehr, wie Koffein, Alkohol, Magnesium, Calcium, usw. Mein Hirn ist ebenfalls betroffen: Konzentrationsprobleme, Wortfindungsstörungen, beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis.Und alles schreitet ungebremst von Monat zu Monat fort.


Hast du früher nie etwas bemerkt?

Nein, im Gegenteil. Ich habe seit meinen 17. Lebensjahr sogar leidenschaftlich Fitness und Bodybuilding Workout gemacht, war bestrebt einen gesunden, athletischen Körper zu haben und zeitlebens einen körperbewussten Lebensstil gepflegt, auf Ernährung, Training, Schlaf und Gesundheit geachtet. Sport war eine elementare Säule in meinem Leben. Besonders Krafttraining, Radfahren aber auch Joggen, diverse Ballsportarten, Schwimmen habe ich geliebt.

Es gab in den letzten Jahren kleinere Anzeichen, aber auf die habe ich nicht geachtet. Mit so einer Erkrankung rechnet doch keiner.

Woher weist du, dass es unheilbar ist?


Es gibt noch keine Therapien für Defekte im Erbgut.
Die Wissenschaft ist noch nicht soweit.
Ich habe gekämpft um das irgendwie zu stoppen und um sämtliche andere Ursachen auszuschließen.



Ist deine Tochter ebenfalls betroffen?

Ich hoffe nicht! Das Risiko liegt bei 50%. Ein Gentest bringt hoffentlich Klarheit und Entwarnung.

Wo hast du denn überall Hilfe gesucht?

War bei Experten im In- und Ausland. In Kliniken und Praxen. Hab die besten Schulmediziner diverser Fachrichtungen konsultiert, Alternativmedizin genutzt, spirituelle Heiler, Psychologen, Therapeuten.
Nichts. Ich habe allein im Jahr 2015 zusätzlich zur Krankenversicherung privat ca. 50.000 EUR aufgebracht.

Ein Großteil meiner Story über 60 Seiten zum nachlesen hier: From zero to hero

War alles sinnlos?


Kämpfen war nicht sinnlos. Das Leben ist das kostbarste Gut. Mein Charakter ist es zu kämpfen, dazu gehörte immer auch aus Siegen und Niederlagen, konsequente Schlüsse zu ziehen. Mein Leben war nicht sinnlos. Ich bin dankbar und demütig für die wunderbaren Zeiten, für alle Erlebnisse, für die intensiven Erfahrungen, für allen Menschen deren Wege sich mit meinen gekreuzt haben und für die besonderen Menschen an meiner Seite: Die beiden wichtigsten Dinge im Leben sind Liebe und Humor.

Meine 21 Antworten auf Becks Depressions Inventar

Soundtrack zum Finale - Track7


Ich bin traurig (1)


Ich hab das Gefühl, das die Zukunft hoffnungslos ist, und dass die Situation nicht besser werden kann. (3)


Ich fühle mich nicht als Versager. (0)


Ich kann aus nichts mehr eine echte Befriedigung ziehen. (2)


Ich habe keine Schuldgefühle. (0)


Ich habe das Gefühl bestraft zu sein. (3)


Ich bin nicht von mir selbst enttäuscht. (0)


Ich kritisiere mich wegen meiner Fehler und Schwächen. (1)


Ich möchte mich am liebsten umbringen. (2)


Früher konnte ich weinen, aber jetzt kann ich es nicht mehr, obwohl ich es möchte. (3)


Dinge, die mich früher geärgert haben, berühren mich nicht mehr. (3)


Ich habe mein Interesse an anderen Menschen zum größten Teil verloren. (3)


Es fällt mir schwerer als früher, Entscheidungen zu treffen. (2)


Ich habe das Gefühl, dass Veränderungen in meinem Aussehen eintreten, die mich häßlich machen. (2)


Ich muss mich zu jeder Tätigkeit zwingen. (2)


Ich wache mehrere Stunden früher auf als sonst und kann nicht mehr einschlafen. (3)


Ich ermüde schneller als früher. (1)


Mein Appetit ist nicht schlechter als sonst. (0)


Ich habe in letzter Zeit kaum abgenommen. (0)


Ich mache mir große Sorgen über gesundheitliche Probleme, dass es mir schwerfällt, an etwas anderes zu denken. (2)


Ich habe das Interesse an Sex völlig verloren. (3)


Mein Ergebnis: Gesamtpunktzahl = 35 (29 - 63 schweres depressives Syndrom)

Seelenklempner ich grüße dich!

Soundtrack zum Finale Track6

Gestern war ich, obwohl ich garnicht weis, was ich mir davon erwarten soll, bei einer sympathischen Psychotherapeutin und habe ihr meine Situation geschildert.

Mal eine Stunde gesprochen, statt meine Gedanken nur ungehört nieder zu schreiben. Sie ist sich nach einer Stunde nicht sicher ob negative Gedanken in Folge einer psychischen Störung habe oder ich meine Entscheidung rational und selbstbestimmt treffe. Bei letzterem wird sie mir nicht helfen können.

Aber darum geht es mir garnicht. Sie ist jung und wird auch dann noch praktizieren wenn meine Tochter Teenager ist, sie kann theoretisch meine Akte herausholen und ihr von mir erzählen. Ich werde nochmal hingehen. Ich habe keine Tabus ihr gegenüber und finde sie menschlich gut. Werde ihr noch einiges erzählen und meiner Familie eine Empfehlung hinterlegen, sie bei der Bewältigung der Situation nach meinem Exit aufzusuchen.

Interview mit meinem Ich - Die Fragen Teil I

Soundtrack zum Finale Track5



Wie gehts dir?


Offizielle Antwort: Danke gut.


Ehrliche Antwort: Bin traurig und verzweifelt. Ich fühle mich so als sei als ein Mensch gestorben den ich liebe. Komme gedanklich nicht mehr aus der Sackgasse. Ich funktioniere nur noch, der Kopf schaltet auf standby wenn ich Ruhe habe und meine Gedanken und Gefühle ordne.


Wieso willst du sterben?


Ich will garnicht sterben. Ich will LEBEN.

Leben muss für mich selbstbestimmt sein. Und nicht von einer Krankheit bestimmt, deren physische und psychische Auswirkungen zu einem Dasein ohne persönliche Freude, ohne Sinn und ohne Ziele geführt haben. Ich werde nicht weiter masochistisch mit Ansehen, wie diese Krankheit alles verschlimmert und das zerstört was ich geliebt habe. Der Mensch, so schlecht es ihm geht, so schlimm die Umstände auch sind, braucht eine Perspektive, ein Fünkchen Hoffnung, ein Ziel. Dann kann er unglaubliche Kräfte entwickeln, egal was in der Vergangeneit war und egal was ihm im Moment beeinträchtigt.

Die Perspektive heißt bei mir: Irreversible Verschlechterung aller Symptome, bis hin zum Pflegefall und langsamer elender Tod. - Dem komme ich zuvor. Ich will nicht sterben sondern ich stehe vor der alternativlosen Entscheidung: Weiterquälen oder Tod.


Lohnt es sich nicht zu leben?


Vorweg: Es hat sich immer gelohnt. Aber nun wo feststeht, das diese Erkrankung unheilbar ist und ungebremst weiter fortschreitet, hisse ich die weiße Flagge. Die letzten 15 Monate waren eine seelische Qual, ich hab das alles nur ertragen, weil jede ich Chance nutzen wollte die die Medizin bietet. Nichts unversucht lassen um das zu stoppen. Ich habe Verantwortung gegenüber meinem Leben und gegenüber meiner Familie übernommen und gekämpft.

Für mich lohnt es sich nicht mehr so zu leben. Sowohl emotional betrachtet als auch rational betrachtet.


Du hast eine kleine Tochter und eine Frau, ist das nicht egoistisch?


Ich liebe meine Tochter unendlich. Diese Liebe kann keine Krankheit und kein Tod brechen.


Sie ist ein wunderbarer Mensch. Ich will nichts lieber als ihr ein guter Vater sein, sie vorbehaltlos lieben, sie unterstützen, für sie da sein, sie durch ihre Kindheit, Jugend und so lang wie womöglich durch das Leben begleiten.


Sie ist der Grund und meine Motivation bis heute durchgehalten zu haben. Ich fühle mich verantwortlich für sie.


Meine Partnerin und ich haben uns unglaublich darauf gefreut Eltern zu werden. Und dieser kleine Mensch, unsere kleine Tochter, ist der kostbarste Schatz der aus unserer Liebe gewachsen ist. Mit meiner Partnerin mit der ich über 10 Jahre so unglaublich viele großartige und wunderschöne Erlebnisse geteilt habe und die auch in schweren Situationen zu mir stand, verbindet mich Liebe, Vertrauen und Dankbarkeit.


Sie können mir nicht helfen, ich habe keine Chance. Sie selbst haben aber Chancen auf ein schönes Leben, auch ohne leiblichen Vater/Mann.

Es gibt doch auch schwer kranke Menschen, die trotzdem glücklich sind. Wieso kannst du das nicht?


Weil ich es Leid bin, meiner eigenen Degeneration hilflos zu zu sehen.


Weil es keine Therapie für diese Erkrankung gibt. Auch keine die minimale symptomatische Verbesserung schafft.


Weil ich ein unabhängiger Mensch und Geist bin, und nicht von Ärzten bzw. vom Gesundheitssystem abhängig sein will. Die meisten Klinikaufenthalte und ambulanten Arztbesuche, etc. empfand ich bereits 2015 als Demütigung.


Die Gewissheit, dass alles noch weiter bergab geht, nimmt mir jede Motivation, ein Schicksal anzunehmen und mich als Kranker/Behinderter neu zu erfinden.


Weil ich weis wer ich war, wer ich bin und wer ich noch sein kann. Ich könnte jeden belügen aber nicht mich selbst.

Warum jetzt solche Gedanken, man sieht dir doch fast nichts an?


Dritte sehen optisch nur das ich dünner geworden bin, wenn ich angekleidet bin. Wer genau hinsieht, und es erkennen will, sieht auch Asymetrien im Gesicht.


Zu den körperlichen Symptomen, zum Krankheitsverlauf und Ursache schreibe ich einen detaillierten extra Eintrag.

Hast du keine Angst vorm Tod?


Doch. Aber eher vorm Sterben selbst.


Noch mehr Angst macht mir aber eine Existenz ohne innerliche Befriedigung, immer mit wehmütigen Blick auf Gestern, weiter fortzuführen, wo ich dem Untergang von all dem was ich bis heute erreicht und geschaffen habe, zusehen zu muss.
Ein Leben in Bitterkeit, Enttäuschung, Frust und ohne innerliche Perspektive ist jämmerlich. Ersatzbefriedigung und Ablenkung macht nichts besser. Selbsttäuschung funktioniert nicht.



Warum Suizid?


Gegenfrage: Wie kann ich anders geplant sterben?


Sterbehilfe im Ausland undenkbar, dafür gehts mir objektiv viel zu "gut". Dazu müsste ich meinen Verfall noch solang zuschauen und miterleben wie ich ein Pflegefall werde.


Gott erwartet mich zu einem ganz bestimmten Datum.

Wie kommst du darauf, das Gott dich zu sich ruft?


Wir standen immer in Kontakt.

Ich muss länger ausholen:
Bin nicht religiös erzogen aber evangelisch getauft und konfirmiert. Hatte während meiner Jugend keine selbstmotivierte Berührung mit Religion und Gott. Kannte die Kirche und fand den Verein uncool.
Bin auch mit Mitte 20 aus der Kirche ausgetreten, weil ich die diesen ganzen Apparat später mal nicht mitfinanzieren wollte. Sondern habe mit meinem Geld Gottes Gebot der Nächstenliebe direkt gelebt und immer von meinem Geld Bedürftigen geholfen und für gute Zwecken gespendet.
Hab später häufig Gebetet. Meistens für andere, auch hin und wieder mal für mich und habe mich bei Gott bedankt, was für ein großartiges Leben ich führen darf.
Gott hatte seinen Gefallen an mir. Er hat mir Zeichen gegeben, er hat sich in Situationen offenbart, in Personen denen ich begegnet bin oder in den Handlungen von Personen, im Ablauf von Dingen und in der Natur.


Ich war nie sein frommstes Lamm und darum geht es auch garnicht. Wer die Bibel gelesen hat, ich kenne nur das Alte Testament vom selbst lesen, der weis, dass da mehr Pornographie und Gewalt drin steckt als heute in einem Hollywood-Film erlaubt wäre.


Aber Gott bestraft nicht. Er stellt Prüfungen und gibt auch schmerzhafte Denkanstöße.


Jedenfalls habe ich mich bei Erkrankung und bei der bitteren Feststellung, dass mein Körper keine Selbstheilungskräfte mehr besitzt und die Symptomatik ungebremst fortschreitet, nach Gott umgesehen: Ich habe ihn nirgends gefunden.
Meine Gebete blieben unbeantwortet.


Wieso hat er den Kontakt abgebrochen? Was hat das zu bedeuten?


Mein Unterbewusstsein hat zu dieser Zeit schon registriert, dass ich eine seltene, unheilbare und unaufhaltsame Krankheit habe.


Irgendwann kamen aber die Zeichen und ich wollte sie nicht sehen, ich hatte Angst: TOD

Als Zahlencode, jeden Tag, mehrfach. Ich wollte es ignorieren, dachte meine Psyche/Wahrnehmung spielt mir einen Streich. Alles Zufall.
Nein, über Wochen, tagtäglich bis heute, wird mir signalisiert das der Tod mich erwartet. Und auch das exakte Datum.
Wo: Uhren,Displays,Computer,Smartphone,Fernseher,Texte,Autokennzeichen
Ständig blicke ich gerade dann bewusst eines der Dinge an wenn die Zahlenfolge erscheint. Täglich. Unabsichtlich. Unbewusst.


Das könnte ja auch der Teufel ein?


Nein. Denn Gott hat mir über eine besondere Freundin ein Hörbuch geschickt: Ein Hörbuch über Engel.
Das habe ich gehört und tatsächlich, die Engel haben mir gesagt, ich soll keine Angst haben, Gott liebt mich, Gott vergisst mich nicht, er quält mich nicht, sondern er hat mir dieses wunderbare Leben geschenkt.
Er hatte einen Weg für mich vorgesehen und es ist keine Strafe, dass mein Weg mich nicht mehr auf der Erde weiter führt. Seine Engel sind immer bei mir.


Seit dem weis ich, dass es seine Zeichen sind.

Wie willst du dich umbringen?


Eine sanfte, würdevolle Methode, die meinen Körper weder entstellt, noch Schmerzen verursacht oder dritte Personen in Gefahr bringt.
Ich werde mich einschläfern. Mit Stickstoff. Werde wie in eine Narkose sinken und mein Hirn merkt nicht, das ich kein Sauerstoff bekomme und nach mehreren Minuten seinen Dienst einstellen und die Körperfunktionen abstellen.

Andenken und Grabpatenschaft

Soundtrack zum Finale Track4





Ich habe auf dem schönsten und geschichtsträchtigsten Friedhof meiner Stadt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Patenschaft für ein historisches Grab zu übernehmen. Die Idee war mir schon vor dem Wissen vom eigenen Tod bzw. der vorzeitigen Notwendigkeit sympathisch. Eine Geschäftspartnerin hatte das mal erwähnt und ich habe den Gedanken aufgegriffen.


Um viele Gräber kümmert sich seit Jahrzehnten keiner mehr. Sie sind aber denkmalgeschützt und werden nicht einfach platt gemacht. Der Pate übernimmt bzw. finanziert die Sanierung, Restaurierung, Instandhaltung, Pflege. Er erhält dafür die Option bei Sterbefall in der eigenen Familie, ein Nutzungsrecht an der historischen Grabstelle zu erwerben.


Mir gefällt folgendes:


Ich erhalte/pflege mit meinem Geld ein Denkmal.


Ich würdige die bereits dort Begrabenen um die sich seit Jahrzehnten keiner mehr schert.


Ich liege in guter Gesellschaft und nicht einsam. Denn die Särge/Urnen der anderen verbleiben an Ort und Stelle.


Ich kann mit neuen modernen Grabsteinen nichts anfangen. Ich kann mit anonymen Urnengräbern nichts anfangen.


Es ist eine Familiengrabstelle. Möge der/die Nächste aus unserer Familie sich noch viel Zeit lassen, aber es ist alles vorbereitet.



Es muss nicht jeder meiner Angehörigen ein Friedhofsgänger sein, aber falls meine Tochter mal an mein Grab kommen will, dann spürt sie eine Seele.


Ich verfüge ausserdem (in Deutschland nicht offiziell erlaubt, aber hinter verschlossenen Türen beim bestimmten Bestattern möglich), das schon Tage bevor meine Urne in die Erde kommt, einer meiner Angehörigen einen Teil meiner Asche mit nach Hause nehmen soll.


Dann können die, die mich bei sich haben möchten, ein paar Milligramm meiner Asche in Schmückstücke abfüllen, Armband, Kettenanhänger, was auch immer und mich an sich tragen bzw. an ihrer Haut tragen.
Für mich ein sympathischer Gedanke.


Außerdem will ich, dass meine Asche an Orten die mir gefallen oder von denen ihr denkt, dass sie mir gefallen würden, verstreut wird.
Wenn sich jemand von meiner Familie dazu emotional in der Lage fühlt, dann nehme er/sie einen schönen Pfefferstreuer, packe meine Asche da rein. Permanent mit in der Handtasche oder im Reisegepäck. Es bietet sich Gelegenheit immer mal eine Brise zu verstreuen:
Ob vom Eifelturm, am Ostseestrand, im Biergarten, auf Kreuzfahrt, am Nordpol, in der Sahara, im Fußballstadion, in den Dolomiten, auf dem Golfplatz, in der Oper, auf dem Oktoberfest oder beim Karneval. Ganz egal: Mir würde das gefallen.

Suizid ist keine Sünde - sagt selbst der Vatikan

Soundtrack zum Finale Track3


O-Text


"Der Selbstmord widerspricht der natürlichen Neigung des Menschen, sein Leben zu bewahren und zu erhalten. Es ist eine schwere Verfehlung gegen die rechte Eigenliebe, Selbstmord verstößt auch gegen die Nächstenliebe, denn er zerreißt zu Unrecht die Bande der Solidarität mit der Familie, der Nation und der Menschheit, denen wir immer verpflichtet sind. Der Selbstmord widerspricht zudem der Liebe zu lebendigen Gott.


Man darf die Hoffnung auf das ewige Heil der Menschen, die sich das Leben genommen haben, nicht aufgeben. Auf Wegen, die Gott allein kennt, kann er ihnen Gelegenheit zu heilsamer Reue geben. Die Kirche betet für die Menschen, die sich das Leben genommen haben."


Schon im Alten Testament wurde von Selbsttötungen berichtet z. B. Samson - der sein Haus zum Einsturz bringt in dem ihm seine Feinde gefangen halten

oder
König Saul der in der Schlacht verwundet wird und sich tötet um nicht seinen Feinden in die Hände zu fallen.


Obwohl ich das Neue Testament bis heute nicht vollständig gelesen habe, habe ich mir sagen lassen, an keiner einzigen Stelle der Bibel Suizid als Sünde erwähnt oder als Verstoß gegen Gottes Gebot bezeichnet wird.


Ich weis: Gott ruft mich zu sich und er stellt mir die letzte und schwerste Prüfung.

Tod ist Tod - Egal woran gestorben

Der Soundtrack zum Finale Track2

Tod ist Tod. Egal welche Ursache.

Ob Unfall, Mord, Krankheit, Suizid, Sterbehilfe, der Tod ist der gleiche.

Trotzdem, der Freitod ist in unserer Kultur nicht dasselbe wie ein anderer Tod sondern mit einem Stigma behaftet. Völlig zu Unrecht!

Dafür, dass ich mich zeitlebens keine Sekunde damit ausseinander gesetzt habe und nun muss: Es gehört für einen Menschen der klar bei Verstand ist so eine unvorstellbare Menge Mut dazu, dass ich dafür keine Worte finde!

Der Selbsterhaltungstrieb ist der stärkste uns von der Natur gegebene.

Jemand der sich umbringt, aus welchen Motiven auch immer, kann vieles sein, rücksichtslos, egoistisch, sensibel, traurig aber EINES IST ER ZU HUNDERT PROZENT: MUTIG.

Das will man als Außenstehender nicht glauben. Es ist gedanklich nicht greifbar für jemand der nicht persönlich damit konfrontiert ist. Es ist die schwerste Aufgabe die das Leben an mich gestellt hat.

Nur noch wenige Tage

Der Soundtrack zum Finale Track1




Ich bin 36 und hätte mir nie vorstellen können und wollen, einmal aus freien Stücken und trotzdem gezwungener Maßen mein Leben abzuwickeln. Und alles durchzuziehen ohne das Wissen meiner Familienmitglieder oder den anderen Menschen, die mir nah sind.

Habe noch wenige Tage und hab noch vieles zu regeln, denn ich will kein Chaos hinterlassen:

Bestattungsvorsorge,

Absicherung der Familie,

Nachlass, Vermächtnis und Spenden organisieren,

Leitfaden für Annett und Annalena,

Abwicklung von Verträgen und Geschäftsbeziehungen,

verstreutes Geld zusammentragen,

Psychologen testen als Bezugsperson für Familie,

Gedanken bloggen

und den Tag X technisch und organisatorisch vorbereiten.

Ich kenne das Datum an dem mein Flug in Jenseits geht. Hab mich lang dagegen gewehrt, gekämpft, geheult, geflucht. Gott hat mein Ticket gebucht.

Aus seiner Sicht ist meine Mission erfüllt.